Wir Frauen ahnen es ja schon immer: Männer sind einfach schlecht darin, ihre Gefühle auszudrücken. In den meisten Fällen unterstellen wir Männern dadurch eine gewisse »emotionale Faulheit« oder eine Vermeidungsstrategie. Doch die Wissenschaft hat vermehrt Hinweise gefunden, dass Männer in der Tat nichts dafür können.

Bittet man Männer wie Frauen in einem Versuch, an ein trauriges Ereignis zu denken, so werden in den Gehirnen von Frauen mehr Areale intensiver aktiv als bei den Männern. Nicht zufällig sind das die Areale, die ganz dicht bei den Zentren für Verarbeitung und Sprache liegen. 

Wenn Männer also schlecht über Gefühle sprechen können, dann hat das nicht unbedingt etwas mit ihrem Willen zu tun

Geschlecht und Gefühl

Wissenschaftler vermuten, dass die gesteigerte Emotionalität von Frauen mit der Evolution zusammengehängt. Die Gefühle von Kindern zu erkennen und mit ihnen umzugehen, gehört zur Mutterschaft dazu. Doch was wir fühlen und wie wir damit umgehen, hat auch viel mit unserer Erziehung und unserer gesellschaftlichen Prägung zu tun. Beispielsweise redet man Männern auch heute noch immer ein, dass nicht weinen dürfen. Emotionen sind »Frauensache«, obwohl wir alle das Gleiche fühlen und fühlen dürfen.

Frauen hingegen wirft man oft vor, zu »emotional« zu sein und deshalb weniger sachlich denken zu können – ein Vorwurf, der auch mir mehr als einmal begegnet ist.

Als Emotionsexpertin kann ich dazu nur sagen: Da wird mit dem Thema Emotion bis heute Missbrauch betrieben.

Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Emotionen, ganz unabhängig von seinem Geschlecht. 

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ – oh doch, er musste nur lernen, ihn zu verstecken. Die folgenden drei Tipps helfen dir dabei, deine Gefühle bewusst zu (er)leben und zu kommunizieren.

  1. Sprücheklopfer zum Schweigen bringen: „Sei doch nicht so ein Weichei!“ – „Stell dich doch nicht so an!“ Gegen solche Sprüche hilft nur eins: Die eigenen Gefühle stark und ehrlich vertreten. Das entwaffnet. „Ich mag aber weiche Eier!“ oder „Ich habe ein Recht auf meine Gefühle!“ bestärken dich und deine Emotionen.
  2. Ohne Tränen keine Trauer?: Nicht immer, wenn du traurig bist, weinst du. Ebenso, wie du nicht immer traurig bist, wenn du weinst. Verwirrt? Ich kenne das. Die eigenen Gefühle zu durchblicken, ist nicht immer einfach. Dann hilft es, zu äußern: Ich weiß gerade selber nicht, was ich fühle. Oder die Gefühle, Gedanken und Körperreaktionen aufzuschreiben.
  3. Stark sein bedeutet nicht, keine Gefühle zu zeigen: Im Gegenteil. Zu deinen Gefühlen zu stehen und ihnen den nötigen Raum zu geben – das ist stark!

Um mehr über deine Gefühlswelt zu lernen, mache das folgende Arbeitsblatt.

Fühl dich selbst!

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