Guck mal, ein Eichhörnchen!

Schlechte Gewohnheiten halten uns am Boden wie Sandsäcke ein Luftschiff. Ganz gleich, wie oft wir versuchen, sie loszuwerden, sie bleiben ein Teil von uns. Obwohl wir wirklich aufhören wollen zu rauchen, schaffen wir es nicht. Woran liegt das?

Schlechte Gewohnheiten sind wie alte Freunde, mit denen man nicht mehr viel gemeinsam hat. Irgendwie weiß man, dass es Zeit ist, getrennte Wege zu gehen – doch um der »guten, alten Zeiten« wegen macht man es dann doch nicht. Obwohl wir wissen, dass Rauchen, zu viel Essen oder Schlafen vor dem Fernseher uns nicht guttut, können wir damit nicht aufhören, auch wenn wir es immer wieder versuchen. Der Grund dafür liegt in unserem Gehirn. Wenn wir einmal gelernt haben, dass eine bestimmte Handlung uns ein gutes Gefühl vermittelt, dann integrieren wir diese Handlung automatisch in unsere Stressbewältigungsstrategien. Unser Gehirn weiß, dass Stress nicht gut ist – und sucht nach Wegen, ihn zu senken. Dabei greift es auf jene Situationen zurück, in denen wir in kurzer Zeit Entspannung und Glück gefunden haben. Eine Zigarette, ein Stück Kuchen, ein Schluck Alkohol. Wir können spüren, wie die Glückshormone durch unser Gehirn fluten und den Stress reduzieren. Kurzfristig prima – langfristig eine Katastrophe.

Der Steinzeitteil unseres Gehirns

Unser Gehirn besteht aus Gebieten, die in unterschiedlichen Phasen unserer Evolution entstanden sind. Der kognitive Teil, also jener unserer bewussten Gedanken und unseres Willens, ist der jüngste – und der erste, der aussteigt, wenn wir richtig Stress haben. Deshalb reagieren wir bei Stress auch sehr viel impulsiver als im entspannten Zustand. Impulse – das ist das Zauberwort! Unser Gehirn funktioniert sehr einfach: Stress – Impuls – Erleichterung – und das immer wieder. Impulse sind so mächtig, dass unser Wille dagegen nur selten ankommt. Nun stell dir aber vor, du machst die Impulse zu deinen Verbündeten. Statt dir selbst immer wieder zu sagen »Rauchen ist nicht gut für mich« – und dir dann doch die nächste Zigarette anzumachen, versuche es doch mal mit einem anderen, alten Teil unseres Gehirns: der Neugier. Wenn das Bedürfnis zu rauchen übermächtig wird, dann stell dir kurz vor, wie ein kleines, freches Eichhörnchen vor deinem inneren Auge vorbei flitzt und all deine Aufmerksamkeit gefangen nimmt. Jetzt hast du den ersten, wichtigen Schritt gemacht, um nicht um Opfer deiner Gewohnheit zu werden – einen Schritt aus der Situation heraus. Und jetzt siehe sie dir genau an. Was stresst dich gerade und lässt das Bedürfnis zu rauchen, so übermächtig werden? Ist es dein Chef, der Unmögliches verlangt? Bist es du selbst, weil du dich unter Druck setzt? Wird die Zigarette an den äußeren Umständen etwas ändern – oder doch eher eine andere Handlung – etwa Aufgaben anders zu verteilen? Spürst du, wie der Umstand, dass du aktiv etwas an der Stressbelastung ändern kannst, auch für ein positives Gefühl sorgt? Präge dir dieses Gefühl genau ein, tauche richtig hinein. Und belohne dich dafür, dass du es bemerkt hast!!! Das muss eine besonders tolle Belohnung werz sein. Finde das gewisse Etwas an der neuen Gewohnheit, die dir Stress nimmt als Alternative... Damit du zukünftig eine Wahl zur Zigarette hast und nicht nur reflexhaft eine Möglichkeit siehst... Dein Steinzeitgehirn wird es sich merken – und beim nächsten Mal, wenn der Drang zu rauchen so stark wird, wird es dir viel leichter fallen, an das Eichhörnchen zu denken, um dich in handlungsfähige Distanz zu deinem eigenen Erleben zu bringen.

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Gewohnheiten – deine besten Freunde oder schlimmsten Feinde?

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Mach dein Glück doch einfach selbst